Studium Plurale: Wie wir ausbilden sollten in Zeiten intelligenter Maschinen
In seinem aktuellen Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) argumentiert Prof. Dr. Detlef Schoder, Gründer und Leitender Direktor des Cologne Institute for Information Systems (CIIS), dass die Zukunft der Bildung nicht primär im Vermitteln von abrufbarem Wissen liegt, sondern in der Entwicklung von Urteilskraft, Denkplastizität und der Fähigkeit zum Perspektivwechsel.
Generative KI verändert unsere Wissensordnung. Im Überfluss verfügbar wird allerdings nicht das Wissen schlechthin, sondern spezifisch das regelhafte, kodifizierbare Anwendungswissen – und genau dieses kann die Maschine schneller, vollständiger und konsistenter bereitstellen als der Mensch. Je mehr sie das tut, desto schärfer tritt hervor, was sie nicht einfach ersetzt: das Deuten, das Verbinden, das Abwägen, das Urteilen, das Verantworten. Zugespitzt: Wissen, das sich abfragen lässt, kann die Maschine besser; Wissen, das reift, lässt sich nicht delegieren.
Statt nur Wissen anzuhäufen, sollten wir Menschen befähigen, komplexe Probleme aus unterschiedlichen Denkweisen heraus zu verstehen und verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen. Sein Vorschlag: ein „Studium Plurale“, das genau diese Denkplastizität und Perspektivenvielfalt systematisch ausbildet.
Lesenswert für alle, die sich mit der Zukunft von Bildung, KI und gesellschaftlicher Transformation beschäftigen.
Erschienen in der FAZ am 15. Juni 2026, Druckausgabe S. 16, sowie online.
Hinweis: Der Artikel ist auf Deutsch erschienen und kann mit einem FAZ-Abo gelesen werden.